Premierentag verlief äußerst gemach

Alma Oberländer erster Fahrgast im Bürgerbus – Vier Tickets verkauft

Sie ist 87 Jahre alt und wohnt an der Sybergstraße in Junkernhees. Gestern morgen setzte sie sich um kurz nach 8 Uhr auf die Bank vor ihrer Haustür, wartete ein paar Minuten, bis das Büschen sich näherte, trat an die Straße, machte den Fahrer des Achtsitzers winkend auf sich aufmerksam und stieg schließlich ein: Alma Oberländer, am Freitag feiert sie ihren 88. Geburtstag, war der erste offizielle Fahrgast im Kreuztaler BürgerBus. Eigentlich hätte sie bis zur Haltestelle am Schloß Junkernhees gehen müssen; der Fahrer machte eine Ausnahme – in zwei Wochen etwa wird eine weitere Haltestelle direkt vor dem Oberländerschen Haus errichtet. Die Seniorin war eine von nur drei Kreuztalern, die gestern den neuen Service in Anspruch nahmen – kein berauschendes Ergebnis, aber auch kein Grund für die Vereinsmitglieder, den Kopf hängen zu lassen. „Es hat sich noch nicht rumgesprochen, daß es heute los geht. Vor allem die Abfahrtszeiten und die Haltepunkte sind noch unbekannt“, meint Vorsitzender Achim Walder. Denn: Die Haltestellen wurden zwar schon eingerichtet, doch fehlen dort noch die Fahrpläne. Dies soll sich im Laufe der Woche endlich ändern. Zwölf DM kostet den Verein die Tour in eine der vier Himmelsrichtungen; für eine „einfache“ Fahrt müssen drei DM bezahlt werden. „Bis vor einigen Tagen dachte ich noch, ich dürfte diesen Bus gar nicht benutzen“, erzählt Alma Oberländer. Ein Anruf bei Achim Walder klärte das Missverständnis: Die Inhaberin eines Schwerbehindertenausweises darf auch den Achtsitzer kostenfrei benutzen. Der Verein hot sich das Geld beim Land wieder. Ein- bis zweimal pro Woche kommt Alma Oberländer in die Kreuztaler City, bislang mit dem Linienbus. Doch mit zwei Taschen in den Händen fällt der Fußweg bis zur Haltestelle vor allem bei der momentanen Witterung nicht gerade leicht. Um 8.08 Uhr stieg sie in den geräumigen Bürgerbus mit seinen bequemen Einzelsitzen ein, um 8.21 Uhr hielt der Bürgerbus am Marktplatz in der City. ‚“Eigentlich bin ich ja viel zu früh hier“, bemerkt Alma Oberländer. Die Läden sind noch alle geschlossen. Ein Gang zur Kasse und ein Ruhepäuschen im Rathaus füllen die „tote“ Phase bis Geschäftsbeginn; um 10.35 Uhr rollte der BürgerBus dann wieder in Richtung „Heimat“. Und diese Fahrt wird für Alma Oberländer zu einem Erlebnis: „In diese Ecke komme ich ja sonst gar nicht. Was ist hier gebaut worden“, meint sie staunend, als das Büschen das Fellinghausener Neubaugebiet durchquert. Wie Walder, so zeigten sich auch die beiden Fahrer Dieter Bernshausen und Gerd Bäcker gestern gelassen ob der menschenleeren Haltestellen. Was sie an dem ehrenamtlichen „Job“ reizt? „Das Autofahren“, bekennt Gerd Bäcker, der im April in den Ruhestand tritt. Und natürlich der Kontakt mit den Mitmenschen, fügt Dieter Bernshausen hinzu. Und daß dieser künftig „üppiger“ als am Tag der Premiere ausfallen wird, da sind sich eigentlich alle sicher. Als erster Fahrgast des Kreuztaler Bürgerbusses stieg gestern früh die 87jährige Alma Oberländer in Junkernhees in den Achtsitzer. Sie fuhr zum Einkauf nach Kreuztal. Die neuen Haltestellen werden in diesen Magen übrigens mit Fahrplänen ausgestattet. Presseartikel: Dienstag, 3. März 1998 Siegener Zeitung (nja)

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